8 Gründe, warum es illegal ist, veganen Kindern das Schulessen zu verweigern

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Heute habe ich meine Argumente für veganes Schulessen an das Schulamt geschickt.

Man räumte mir eine Anhörung ein, bevor beschieden wird, ob meine Tochter in der Schule veganes Essen bekommt. So bekam ich die Gelegenheit, einige wirklich krasse Punkte in den Raum zu stellen, zu denen sich das Schulamt erst mal äußern können muss... Es wird ihnen nicht gelingen! :P

Trockene Kartoffeln als Schulessen?? (Bild: MarkusHagenlocher, CC-BY-SA-3.0)
Trockene Kartoffeln als Schulessen??
(Bild: MarkusHagenlocher, CC-BY-SA-3.0)

(Ihr erinnert Euch bestimmt: Meine Tochter bekommt kein veganes Essen in der Schule, so wie viele andere auch. Ich habe offiziell veganes Essen beantragt und um einen widerspruchfähigen Bescheid gebeten. Sollte dieser negativ ausfallen, werde ich widersprechen und klagen...)

Ihr seid alle aufgerufen, diese Argumente - in Teilen oder im Ganzen - an Eurer eigenes Schulamt zu schicken! Und bitte auch an Freunde und Bekannte und Soziale Netzwerke weiterleiten! Danke!! :)

 

-- Zitat --

1. Gewissensentscheidung nach Art. 4 GG

Meine Tochter ernährt sich freiwillig aus ethischen Gründen vegan. Es handelt sich um eine Gewissensentscheidung, die laut Grundgesetz der BRD geschützt ist. Das heißt, niemand darf einen Menschen - auch kein Kind - dazu zwingen, gegen sein Gewissen zu handeln. Nicht die Lehrer, nicht das Schulamt, kein eingetragener Verein, kein Senat, und auch die Eltern nicht. Wenn ein Kind aufgrund ethischer Bedenken, also einer Gewissensentscheidung, keine Nahrung konsumieren möchte, für die Tiere leiden und sterben müssen, ist diese Haltung grundsätzlich zu respektieren.

2. Die Empfehlung der DGE

Der Schulträger folgt mit der Entscheidung, veganes Essen an Schulen zu verbieten, einer Empfehlung der DGE, die vegane Ernährung von Kindern aus rein physischer Sicht für nicht geeignet hält. Der Schulträger geht also offenbar davon aus, dass vegane Kinder auf die von der DGE empfohlenen Speisen ausweichen, wenn sie kein veganes Essen erhalten. Diese Strategie mag bei Kindern funktionieren, die aus geschmacklichen Gründen oder reiner Gewohnheit ungesunde, z.B. fette oder süße Speisen bevorzugen, und zu gesünderem Essverhalten erzogen werden sollen. Für vegane Kinder, die aus Gewissensgründen tierische Produkte ablehnen, gilt das nachweislich NICHT.

Eine Befragung unter den Eltern unseres Elternnetzwerkes 'Vegane Kinder wollen essen' hat ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der veganen Kinder der Empfehlung der DGE eben NICHT folgt. Einem Teil der Kinder ist es außerdem nicht gestattet, eigenes Essen mit in den Speiseraum zu bringen. Dadurch sind diese Kinder gezwungen, sich aus dem Essenangebot vegane Bestandteile 'herauszupicken'. Oft handelt es sich dabei um einen einzigen Apfel, trockene Kartoffeln oder Reis. Auch meine Tochter gehörte zeitweise zu diesen Kindern. Ob sie ihre mitgebrachte Nahrung zu sich nehmen kann, hängt direkt vom Wohlwollen der Erzieherin ab!

Die Einschätzung der DGE, sollte diese hier allein als Entscheidungshilfe herangezogen werden, muss also die Lebensrealität der veganen Kinder berücksichtigen, und bewerten, was diese Kinder tatsächlich essen. Es genügt hier eindeutig nicht, den Nährgehalt der Speisen zu beurteilen, die diese Kinder gar nicht essen.

Darum möchte ich Sie bitten, die DGE dazu zu befragen, wie sich das 'Weglassen', also das Reduzieren der Speisen auf vegane Bestandteile, auf die Gesundheit der Kinder auswirkt - vor allem im Vergleich mit gut geplanter veganer Kost, inkl. Supplementierung problematischer Nährstoffe.

Ich werde parallel eine gleichlautende Anfrage an die DGE stellen und deren Antwort, bzw. über das etwaige Ausbleiben ebendieser öffentlich berichten.

3. Pädagogische Aspekte

Die Ausgrenzung veganer Kinder vom gemeinsamen Mittagessen verursacht Schäden an den Kindern im psycho-sozialen und seelischen Bereich. Sowohl an den Ausgegrenzten, als auch an der gesamten Gruppe. (Stichworte Inklusion, Umgang mit Andersdenkenden, etc...!)

Die veganen Kinder stehen vor der Wahl, entweder ein auf vegane Bestandteile reduziertes Mahl zu sich zu nehmen (trockene Kartoffeln, Obst, Salat) oder ihr Gewissen zu unterdrücken. Letzteres führt häufig im Nachhinein zu extremen Gewissenskonflikten. Vegane Kinder in diese Situation zu bringen, entspricht daher nicht dem Kindeswohl und ist nicht durch eine einseitige 'Empfehlung' der DGE (eines eingetragenen Vereins, keiner Behörde!) zu rechtfertigen.

Die anderen Kinder der Gruppe lernen, dass Andersdenkende entweder anzupassen oder eben auszugrenzen sind, sollten sie sich nicht fügen. Es findet quasi eine Bestrafung von mitfühlenden Kindern statt. Das kann nicht im Sinne einer demokratischen Grundordnung sein.

Die faktisch auftretenden psycho-sozialen, emotionalen und seelischen Verletzungen, die durch die gängige Praxis künstlich verursacht werden, sind unbedingt abzuwägen mit der Empfehlung der DGE, die sich ausschließlich auf physiologische Faktoren bezieht. Die rein körperlichen Schäden durch vegane Ernährung von Kindern sind selbst laut DGE konjunktiv, und beziehen sich meist auf sehr spezielle Formen veganer Ernährung, z.B. Rohkost oder Makrobiotik. Die DGE darf also für diese Entscheidung keinesfalls allein herangezogen werden. Alle Faktoren sind zu berücksichtigen und Experten dazu zu befragen!

4. Der Qualitätsstandard der DGE

Doch auch in der 'Empfehlung' der DGE, nämlich dem 'DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung', finden sich interessante, für unser Thema relevante Punkte wieder. Zumindest am Rande geht auch die DGE auf pädagogische Aspekte der Nahrungsaufnahme ein und sei hier zitiert:

'Die Schule als Ort des Lehrens, Lernens und Lebens versammelt Menschen unterschiedlichster Herkunft, persönlicher, familialer und kultureller Erfahrungen und Prägung. Der Umgang miteinander und die Qualität sowie Intensität der Beziehungen üben einen entscheidenden Einfluss auf das Lernklima aus.'

Oder:

'Für jeden Schüler ist eine Ernährungs- und Verbraucherbildung fächerübergreifend zu gewährleisten. Hierfür sind Standards zu entwickeln.'

Oder:

'Essen ist immer Teil der Identität und vermittelt Geborgenheit und Sicherheit. Die Präferenzen beim Essen sind zwar stark kulturell geformt, aber sie sind über Gewohnheiten auch wandelbar. Schulverpflegung muss dieses beachten. Zur Berücksichtigung der sozialen und psychischen Bedeutung des Essens sollten die Vorlieben und Abneigungen der Schüler beachtet werden.'

(Hervorhebung durch mich)

Bitte teilen Sie mir mit, wann und in welcher Form der Schulträger gedenkt, diese Anforderungen des 'DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung' in der Praxis umzusetzen. Die Vorgaben sind in ihrer Gesamtheit zu beachten, wenn sich der Schulträger schon exklusiv darauf bezieht, oder eben gar nicht.

5. Ethische und religiöse Aspekte

Laut der Musterausschreibung müssen die Caterer 'ethische und religiöse Aspekte angemessen berücksichtigen'. Die Lieferung ovo-lacto-vegetarischen Essens ist bereits von der DGE vorgeschrieben (DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung, Seite 17). Klären Sie mich bitte darüber auf, welche ethischen Aspekte darüber hinaus in der Praxis Anwendung finden. Bitte teilen Sie mir in Ihrem Bescheid mit, warum die Lieferung veganen Essens nicht angemessen ist. Nehmen Sie dabei Bezug auf die o.g. psycho-sozialen Schäden an den Kindern und stellen Sie diese dem Mehraufwand der Caterer gegenüber.

(Zur Info: Ich habe den tatsächlichen Mehraufwand von einem Caterer berechnen lassen, der veganes Schulessen in Berlin liefert! Da ich mich aber bereit erklärt habe, diese Mehrkosten selber zu tragen, können diese in diesem Zusammenhang aber offensichtlich sowieso nicht als Hinderungsgrund herhalten.)

6. Warum Eier und Milch nicht 'vegetarisch' sind

Aus ethischer Sicht ist ovo-lacto-vegetarisches Essen nicht besser als Fleisch, denn auch für Milch und Eier sterben Kälber und Küken. Das Töten z.B. männlicher Küken im Rahmen der Eierproduktion geschieht aus rein wirtschaftlichen Motiven. Ob das überhaupt mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist, beschäftigt zur Zeit die Gerichte, denn das Bundesland NRW hatte per Erlass diese Praxis untersagt.

Für ovo-lacto-vegetarisches Essen sterben also genauso Tiere, wie für Fleisch. Die Trennung von ovo-lacto-vegetarisch und vegan ergibt aus ethischer Sicht also keinen Sinn, sondern nur aus rein physiologischer. Die Lieferung ovo-lacto-vegetarischen Essens kann daher nicht als Berücksichtigung ethischer Aspekte gelten.

Übrigens: der Begriff 'vegetarisch' ist per Definition gleichbedeutend mit 'vegan'. Falls ich nochmals in einem offiziellen Schreiben die Lieferung 'vegetarischen' Essens bestätigt erhalte, werde ich darauf bestehen, dass dies auch tatsächlich geschieht.

7. Grundsatz der Gleichbehandlung

Veganen Kindern muss ermöglicht werden, am gemeinsamen Mittagessen teilzunehmen, so wie Kindern mit Nahrungmittelunverträglichkeiten auch. Für beide gibt es nicht die Möglichkeit, ohne gesundheitliche Schäden (physischer, psycho-sozialer oder seelischer Art), das Standard-Essen zu konsumieren. Beide sind in dieser Sache in ihrer Entscheidung nicht frei. (So wie Menschen z.B. auch nicht frei sind in der Entscheidung, andere Menschen zu töten, weshalb das Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe im Grundgesetz verankert ist.)

Da die Caterer verpflichtet sind, entsprechende Diät-Menüs herzustellen - logistisch also offenbar dazu in der Lage sein müssen - gilt hier das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Da vegane Kinder allein auf Grund ihres Gewissens, also ihrer Weltanschauung, vom gemeinsamen Mittagessen ausgeschlossen werden, handelt es sich hierbei um einen Verstoß gegen das AGG. Aus diesem Grunde werde ich im Falle eines negativen Bescheids die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hinzuziehen.

8. Untersuchungsgrundsatz

Schon §24 VwVfG schreibt vor:

(2) Die Behörde hat alle für den Einzelfall bedeutsamen, auch die für die Beteiligten günstigen Umstände zu berücksichtigen.

Die ist bisher nicht geschehen. Eine Entscheidung zum Thema veganes Schulessen zu treffen, ohne die oben genannten Punkte auch nur im Ansatz zu berücksichtigen, bzw. diesbezüglich - nachweislich (!) - Expertenrat einzuholen, stellt ein inakzeptables Versäumnis seitens der Entscheidungsträger dar.

-- Zitat-Ende --

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Kommentare und Meinungen

  1. 'Die faktisch auftretenden psycho-sozialen, emotionalen und seelischen Verletzungen, die durch die gängige Praxis künstlich verursacht werden, sind unbedingt abzuwägen mit der Empfehlung der DGE, die sich ausschließlich auf physiologische Faktoren bezieht.'

  2. Absolut logisch analysiert und perfekt umgesetzt!!! - Gratuliere!
    Damit ist ein großer und wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung erfolgt!!!

  3. 8 Gründe, warum es illegal ist, veganen Kindern das Schulessen zu verweigern | Vegane Kinder wollen essen http://t.co/pjfVbgDQCG

  4. Ich finde sehr gut, was du hier zusammengetragen hast. Dieses Thema brennt mir auch unter den Nägeln. Ich arbeite an einer Schule mit Mensa. Das Mensa-Team fährt wohl regelmäßig auf Weiterbildungen. Wie ich nun erfahren habe, werden diese organisiert von der DLR Rheinland-Pfalz, welche ja nun auch die Abteilungen Agrarwirtschaft und Tierproduktion inne hat. An dieser Stelle bekommen die Mensen scheinbar auch ihre "Sterne". Vielleicht könnte auch dies ein Ansatzpunkt sein, dass Mensen eben nicht durch Einrichtungen beraten werden, die natürlich auch ein gewisses Interesse verfolgen - nämlich hier die Tierproduktion.
    Im Falle unserer Schule wurde ebenfalls gesagt, dass von "veganischer (haha) Küche" dringend abzuraten sei, da sie aus ernährungswissenschaftlicher Sicht umstritten sei ...
    Euch wünsche ich viel Erfolg bei euren Aktionen. Weiter so. LG Alex

  5. 'Das Töten z.B. männlicher Küken im Rahmen der Eierproduktion geschieht aus rein wirtschaftlichen Motiven.'

    http://www.taz.de/!t18673/

  6. 8 Gründe, warum es illegal ist, veganen Kindern das Schulessen zu verweigern | Vegane Kinder wollen essen http://t.co/dnfNasYAUw

  7. Argumentativ beeindruckend! Bin gespannt auf den Bescheid.

  8. 8 Gründe, warum es illegal ist, veganen Kindern das Schulessen zu verweigern | Vegane Kinder wollen essen http://t.co/YbQvEg3kjy

  9. Sehr gute Zusammenstellung. Uns betrifft dasselbe Problem und unsere zusammen getragenen Argumente waren sehr ähnlich. Sehr gut dass du das so konsequent durchziehst. Viel Erfolg und Kraft dafür.
    Vielleicht kannst du mit 2 zusätzlichen Argumenten noch etwas anfangen.
    1. Präventiver Gesundheitsaspekt.
    Es besteht inzwischen eine gute wissenschaftliche Datenlage, dass Rotes und prozessiertes Fleisch und Milch gesundheitsbedenkliche "Lebensmittel" sind. Beide können beispielsweise das Krebsrisiko für Darmkrebs (Fleisch) und für Prostatakrebs (Milch) erhöhen. Diese Fakten gehen inzwischen in internationale Präventionsrichtlinien zu Krebserkrankugen ein (WCRF) ein.

    2. Bildung zur Nachhaltigkeit
    Im Schulgesetz (variiert je nach Land etwas) ist Bildung zur Nachhaltigkeit verankert. [...]

    "...die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen zu erkennen und die Notwendigkeit einzusehen, diese Lebensgrundlagen für die
    folgenden Generationen zu erhalten, um der gemeinsamen Verantwortung dafür gerecht werdenzu können..."
    Wer sich mit den ökologischen Auswirkungen der "Nutztierhaltung" beschäftigt, muss erkennen, dass eine Nachhaltigkeit und das erhalten der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen damit nicht vereinbar sind.
    Wird also der Auftrag zur Nachhaltigsbildung konsequent umgesetzt, muss er sich auf den Bereich der Ernährung erstrecken. Die Frage stellt sich ja dann, wieviele Kinder einem Ernährungsstil folgen wollen der sprichwörtlich ihre eigene Zukunft auffrißt.
    Bei Bedarf kann ich gerne mehr Details und Quellen beisteuern.
  10. 8 Gründe, warum es illegal ist, veganen Kindern das Schulessen zu verweigern | Vegane Kinder... http://t.co/ANsoTmYfPB

  11. Super geschrieben! alle relevanten Fakten und Tatsachen auf den Punkt gebracht! Wobei die bedenkliche Haltung vom DGE ja auch nur eine verallgemeinerte Mutmaßung ist, durch DIE vegane Ernährung entstehe ein physiologischer Schaden. Da hast du ja schon drauf hingewiesen das man das so nicht für alle und jeden, Veganer bzw veganes Essen zusammenfassend negativ darstellen oder bewerten kann. Der DGE assoziiert vegan mit einseitig und ungesund und genau das ist schlichtweg falsch! und dadurch wirds zum Problem.. Da müssen sich die Herrschaften INFORMIEREN!! Und zwar nicht bei den LOBBYFREUNDEN die eh nur auf Profit aus sind und selber so manche [...]

    Warheit vertuschen, zB. wie ungesund, bzw. wie krankmachend viele tierische Produkte tatsächlich sind! In diesem Komplott mischen halt so einige mit welche dabei verdienen von Anfang bis am Ende, da sind dann die die durch Krankheit anderer ihr Geld machen...- http://www.provegan.info/ - Nein, hier gehts nun mal hauptsächlich um WERTE, da müssen sich diese Menschen aufgrund ihres fehlenden Empathieverständnisses aus anderen Quellen was sagen und aufzeigen lassen,- eben z.B. durch unabhängigen Expertenrat ..also viele liebe Grüße- viel Erfolg u. Grechtigkeit!!
  12. So einen Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen (tut mir leid, ist aber so).

    Du berufst dich auf den Art. 4 I GG, also auf das Grundrecht auf freie Religionsausübung und Gewissensfreiheit. Das ist in unserem Staat und Gesellschaft (zum Glück) ein hohes Gut. Jedoch kann jedes Grundrecht (außer Art. 1 GG) eingeschränkt werden. Dabei muss die Einschränkung jedoch verhältnismäßig sein. Der Grund für diese Einschränkung ist hier mit Sicherheit das physische Wohl der Kinder. Denn die Schule als staatliche Institution hat natürlich auch den Auftrag, ihre Schüler physisch gesund zu ernähren (ob das mit Pommes immer so funktioniert, sei dahingestellt). Wenn nun das DGE und verschiedene unabhängige Experten (deren Gutachten man dazu gerne einholen kann) äußern, dass eine vegane Ernährung zu einseitig ist, haben deren sachlichen Argumente in ihrer Schlüssigkeit natürlich Gewicht. Eine gesunde Ernährung ist ja vor allem für Kinder von großer Wichtigkeit. Da es sich hier um Argumente handelt, sollte es auch egal sein, von wem sie kommen. Ob das DGE also ein Verein oder eine Behörde ist, ist für das Gewicht ihrer Argumente vollkommen irrelevant. Oder verändert sich das Argument in seinem Gewicht, wenn es vom Bundesgesundheitsministerium kommt? [...]

    Du erwiderst, dass es hier aber auch um das psychische Wohl der Kinder gehe. Das willst du damit belegen, indem du ein paar Kinder (mit Sicherheit auch gar nicht durch elterliches Verhalten manipuliert) etwas auf Zettel schreiben lässt. DAS ist deine Argumentationsgrundlage? Ich würde mich freuen, wenn ein Team aus Wissenschaftlern eine wissenschaftliche Studie zu dem Wunsch veganen Essens an Schulen erheben würde. Dann hätte man wenigstens belastbare Argumente.

    Du sagst ferner "Kinder, die aus ethischen Gründen keine Tiere essen wollen, können und dürfen NICHT DAZU GEZWUNGEN werden.". Wir leben in einem freien Land, in dem keiner zu etwas gezwungen werden sollte - und das ist auch gut so! Jetzt aber meine Frage: Nehmen die Lehrer die Gabeln der Kinder und stecken ihnen das Fleisch in den Mund? Drohen sie den Kindern Hausaufgaben an, wenn sie nicht alles aufessen? Ich verstehe nicht, wo du siehst, dass deine Kinder dazu gezwungen werden, nicht veganes Essen zu konsumieren. Aber falls es wider Erwarten doch so sein sollte, lasse ich mich natürlich gerne eines Besseren belehren ;)

    Dass Kinder sich von anderen Kindern abgrenzen (fernab von Essensgewohnheiten), gehört - wie in vielen anderen Lebensabschnitten - einfach dazu. Hänseln und beleidigen ist immer schlimm für ein Kind. Aber wenn dein Kind wirklich die Überzeugung hat, vegan essen zu wollen, und dies auch mit Leib und Seele vertritt: Warum erklärt es nicht den anderen Kindern, warum es vegan isst? Warum muss eine andere Essgewohnheit direkt zu einer absoluten Ausgrenzung führen? Definiert sich dein Kind allein über seine Essgewohnheiten und gibt es keine anderen Gemeinsamkeiten? Deine einseitige und ziemlich einfache Argumentation habe ich da wirklich nicht plausibel nachvollziehen können. Zumal Art. 4 I GG die Gewissensfreiheit schützt, aber nicht, dass man aufgrund seiner Gewissenshaltung mit jedem anderen Kind Freundschaften schließen kann. Denn an das GG muss sich nur der Staat halten.

    Weiterhin zitierst du den Auszug des DGE zum Qualitätsstandard: "Zur Berücksichtigung der sozialen und psychischen Bedeutung des Essens sollten die Vorlieben und Abneigungen der Schüler beachtet werden."
    Richtig, Vorlieben und Abneigungen "der Schüler" (Plural!) sollen "beachtet" werden. Zunächst müsste dazu in belastbarer Weise herausgefunden werden, ob denn wirklich die Mehrheit der Schüler veganes Essen haben möchte (s.o.). Zum anderen sollte es dann "beachtet werden". Das bedeutet, dass das in die Entscheidung mit einfließen muss, aber nicht, dass das das alleinige Kriterium ist. Falls somit die Bereitstellung von veganem Essen trotzdem (aus welchen Gründen auch immer) zu schwierig ist, muss man es trotzdem nicht bereitstellen.

    Du führst das AGG an. Dessen Zweck liegt aber darin, Ungleichbehandlung zu verhindern, wenn kein sachlicher Grund für diese Ungleichbehandlung vorliegt. Hier liegt aber ein sachlicher Grund in Form eines hohen organisatorischen Aufwands. Du hast ja selbst mit einem Caterer gesprochen, aber nicht erzählt, wie er auf deine Anfrage geantwortet hat. Die würde ich gerne erfahren ;)

    Du zitierst den § 24 VwVfG. Zunächst steht da auch wieder "berücksichtigen" (wie "zu beachten", s.o.). Und woher weißt du, dass sie keinen Expertenrat eingeholt haben? Klingt wie eine Unterstellung.

    Als Letztes: Glaubst du wirklich, dass deine Kinder durch ein nicht vollkommen individuelles Angebot in der Schul-Mensa Entwicklungsstörungen erleiden? Glaubst du wirklich, dass sie aus freiem Willen für veganes Essen eintreten? Oder sind sie nicht eventuell von ihren Eltern insoweit manipuliert, dass sie sich diese als Vorbild nehmen? (Ich weiß, das sind provokante Fragen, aber darüber würde ich mir mal Gedanken machen)

    Liebe Grüße

    • durch elterliches Verhalten manipuliert

      Alle Eltern geben den Kindern Werte mit. Das ist ganz normal und in einer demokratischen Gesellschaft ausdrücklich erwünscht. Problematisch ist aber, wenn Werte, die von der Norm abweichen, als Manipulation entwertet werden sollen. Das ist unsachlich. Ich würde mich über ein intelligentes Argument freuen, das dagegen spricht, Kindern die eigenen Werte zu vermitteln. 'durch elterliches Verhalten manipuliert' gilt auch für Kinder, die sich für Frieden einsetzen, gegen Umweltverschmutzung und eben auch für Tiere.

      Glaubst du wirklich, dass sie aus freiem Willen für veganes Essen eintreten?

      Natürlich nicht! Aus freiem Willen würden sie für Schokolade und Kola eintreten, für unbegrenzt aufbleiben und nie Zähneputzen... Ob ein Kind ein Tier essen würde, ist die eigentliche Frage. Setze ein Kleinkind 10 Minuten lang in einen Raum, nur mit einem lebendigen Küken und einem Apfel. Wenn das Kind am Ende das Küken gegessen hat und mit dem Apfel spielt, können wir weiterdiskutieren. [...]

      Deine juristischen Ausführungen sind schauderhaft. Allein deine Auslegung des AGG. Demnach wäre es z.B. völlig ok, Behinderte auszugrenzen, wenn der Aufwand hoch wäre, sie zu integrieren. o.O
      Es liegt mir in der Tat ein Angebot eines Caterers vor, der veganes Essen kostengünstiger liefern würde, als das reguläre Schulessen. Wenn man auch nur im Ansatz weiß, was veganes Essen ist, dürfte klar sein, warum das so ist.

      Ich habe mir übrigens schon sehr viele Gedanken gemacht, bin aber möglicherweise zu anderen Schlüssen gekommen, als du kommen würdest. Da das Thema für dich offenbar neu ist, erscheinen dir deine Fragen provokant. Für mich sind es zwar legitime, aber dennoch alte Hüte.

  13. und noch ganz kurz zu den studien..es gibt mitlerweile unzählige kompetente studien die belegen das tierische lebensmittel krank machen, in verschiedensten ausprägungen. und studien die beweisen das vegabe ernährung- auch für kinder- die gesündeste ist!
    is doch logisch das ein institut, welches teil eines systems ist und an der ganzen sache verdient, fakten vertuscht, vertauscht und anderes schönredet..

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