Antworten der DGE auf unsere 5 Fragen

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Viele von Euch haben ja schon nicht mehr damit gerechnet, aber nun sind sie endlich da: die Antworten auf unsere '5 Fragen an die DGE'.

Unser Verfahren am Verwaltungsgericht

Hintergrund war ja, dass die Berliner Senatsverwaltung in unserem Verfahren zum Thema 'veganes Schulessen' am Verwaltungsgericht haarsträubende 'Argumente' angeführt hat, um veganen Kindern die Versorgung mit Mittagessen zu verweigern. Begründet wurde viel mit angeblichen Aussagen der DGE, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Nun ist die DGE ja nicht unbedingt dafür bekannt, total aufgeschlossen der veganen Ernährung gegenüber zu sein, vor allem bei Kindern. Dennoch waren einige der Behauptungen des Senats so offensichtlich unwahr, und andere zumindest nicht zu Ende gedacht - ich musste die DGE einfach mal konkret um eine Stellungnahme bitten.

Die DGE ist eigentlich nicht böse

Ich bin der Meinung, dass die DGE im Großen und Ganzen gute Arbeit leistet bzgl. der Aufklärung über gesunde Ernährung und der Verpflegung an Schulen. Die DGE hat 'Qualitätsstandards für die Schulverpflegung' entwickelt. Pro Monat darf es demnach nur noch 4 mal Fleisch geben und täglich mindestens ein vegetarisches Gericht, keine Zusatzstoffe oder Geschmacksverstärker, etc - von so hohen Standards können die meisten Kinder in D leider nur träumen. Seit der Reform des Schulessens sind die Qualitätsstandards an Berliner Schulen gesetzlich vorgeschrieben, was (für die meisten Kinder) zu einer deutlichen Verbesserung der Verpflegung geführt hat. (Leider ist für die veganen Kinder damit aber das vegane Essen 'verboten' worden. Allerdings liegt das nicht an der DGE, wie wir gleich lesen werden, sondern vielmehr an der eigenwilligen Interpretation und der veganfeindlichen Agenda des Berliner Senats!)

Eine kleine Aktualisierung:

An dieser Stelle stand eigentlich das Logo 'Schule + Essen = Note 1'. Damit wollten wir die gute Arbeit der DGE unterstreichen. Nun hat uns der Geschäftsführer der DGE, Dr. Helmut Oberritter, eine Email geschrieben und uns gebeten (+ Androhung rechtlicher Schritte), das Logo zu entfernen. Das haben wir hiermit getan.

Bundesweit halten sich leider die wenigsten Schulen an die 'Qualitätsstandards für die Schulverpflegung', und bei Kitas ist es noch schlimmer. Täglich Fleisch und keine Auswahl ist für die meisten Kinder in deutschen Schulen leider der Ist-Zustand, unter dem die Gesundheit, und vor allem die veganen Kinder leiden.

Bei all dem schon nahezu verschwörungstheoretischen Hass gegen die DGE, von dem die vegane Szene arg durchwachsen ist, sollten wir nicht vergessen, einen klaren Kopf zu behalten.

Die Antworten im Überblick

Viele von Euch haben ja nicht mit einer Antwort gerechnet oder erwartet, dass 'die sich irgendwie rauswinden' werden. Tatsächlich hat es mehrere Monate gedauert, bis die DGE mir geantwortet hat. Allerdings sind die Antworten überhaupt nicht ausweichend, sondern sehr ausführlich, gut begründet und neutral.

Ich empfehle, die gesamte Stellungnahme zu lesen. Hier aber eine kurze Zusammenfassung:

  1. Bei Supplementierung und ärztlicher Kontrolle ist nicht mit Nährstoffdefiziten zu rechnen.
  2. Die DGE ist nicht grundsätzlich gegen Supplementierung.
  3. Grundsätzlich darf aber kein Kind unabhängig von der Ernährungsweise zum Verzehr bestimmter Lebensmittel gezwungen werden.
  4. Das Herauspicken von veganen Bestandteilen aus der Gemeinschaftsverpflegung führt zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen.
    Bei Einhaltung der DGE-Qualitätsstandards ist es bereits jetzt möglich, an 3 Tagen pro Woche Gerichte ohne tierische Bestandteile anzubieten.
  5. Kindern ist die Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung zu ermöglichen durch ein spezielles Essensangebot. Nur 'falls nicht anders möglich', müssen vegane Kinder Essen von zu Hause mitbringen.

Die gesamte Stellungnahme der DGE als PDF-Datei.

Wie zu erwarten war, sind die Behauptungen des Berliner Senats in unserem Verfahren wenig durchdacht bis unwahr. Wie sich das auf unser Verfahren auswirken dürfte, sollte klar sein.

Wir werden gewinnen!! :)

Update: Ähm... es wird sich wohl doch noch eine Weile hinziehen.

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Kommentare und Meinungen

  1. Matthias Schuster

    Immer noch eine sehr unwissenschaftliche Stellungsnahme.

    Speziell Fleisch und auch viele andere "Nahrungsmittel" mit welchen die Kinder in den Schulen, Kindergärten und natürlich auch zu Hause vergiftet werden, sind selbst von streng schulwissenschaftlichen Standpunkten auf ein Minimum zu reduzieren: Und zwar exakt jenes Minimum, welches gerade noch keine gewaltsame Revolution unter den Süchtigen auslöst.

    Speziell der Teil mit der Supplementierung zeigt, wie sehr vegane Ernährung immer noch mit Mangelernährung gleichgesetzt wird, weil industrielle Massenware immer noch 1:1 mit hochwertigen Lebensmitteln gleichgesetzt wird.

    Selbst die Tiere bekommen B12 zugesetzt, weil sie eben selbst keines mehr auf natürlichen Wege aufnehmen können.

    Sobald ich für Kinder verantwortlich bin, wird es 100%ig in eine vegane Schule gehen.
    Und wenn das heißt, sie selbst zu schulen.

    • Um den Wert dieser Stellungnahme wirklich zu verstehen, musst du sie im Kontext unserer Fragen und des Verfahrens am Verwaltungsgericht betrachten. Da wurde vom Senat behauptet, die DGE würde Supplementierung grundsätzlich ablehnen. In der Stellungnahme wurde solcher Unfug nicht nur dementiert, sondern es wurden mir sogar Tips gegeben, auf welche Punkte des 'Qualitätsstandards' ich mich konkret berufen muss, um veganes Essen für mein Kind zu bekommen!
      Vegane Ernährung ist aus wissenschaftlicher Sicht eine Mangelernährung, da wir B12 supplementieren müssen. Andere Tiere decken ihren Bedarf durch orale Aufnahme von Kot. Solange wir das nicht tun, ist unsere Ernährung unnatürlich. [...]

      Die DGE kämpft schon seit einiger Zeit dafür, den Fleischkonsum zu reduzieren. Der 'Qualitätsstandard für Schulessen', in dem das gefordert wird (max 4 mal Fleisch im Monat!), findet noch lange keine bundesweite Anwendung. Das noch weiter zu reduzieren, wird sicherlich nicht zur breiteren Akzeptanz verhelfen. In Berlin, wo der 'Qualitätsstandard' bereits umgesetzt wird, gibt es massenhaft Proteste. Eltern und Schulkinder fordern mehr Fleisch, mehr Süßspeisen und weniger Vollkorn. Siehe z.B.: https://www.sunshine-catering.de/
  2. Bravo, weiter so! Ich verfolge deine Bemühungen ja schon lange und freue mich sehr, dass es eine so ausgewogene Antwort von der DGE gibt. Die haben ihre Haltung zur veganen Ernährung ja auch gerade überarbeitet, daher war es wohl ein guter Zeitpunkt für die Antwort.

  3. Matthias Schuster

    "Um den Wert dieser Stellungnahme wirklich zu verstehen, musst du sie im Kontext unserer Fragen und des Verfahrens am Verwaltungsgericht betrachten. Da wurde vom Senat behauptet, die DGE würde Supplementierung grundsätzlich ablehnen. In der Stellungnahme wurde solcher Unfug nicht nur dementiert, sondern es wurden mir sogar Tips gegeben, auf welche Punkte des 'Qualitätsstandards' ich mich konkret berufen muss, um veganes Essen für mein Kind zu bekommen!"

    Das ist natürlich darauf bezogen wundervoll, macht ihre Stellungsnahme deswegen natürlich immer noch nicht vollständig korrekt.

    "Vegane Ernährung ist aus wissenschaftlicher Sicht eine Mangelernährung, da wir B12 supplementieren müssen. Andere Tiere decken ihren Bedarf durch orale Aufnahme von Kot. Solange wir das nicht tun, ist unsere Ernährung unnatürlich." [...]

    Ein weit verbreiteter Irrtum, der selbst unter vegan lebenden Menschen teilweise sogar verteidigt wird.

    Erstens: Die B12 Forschung ist noch nicht abgeschlossen, viele offene Fragen sind zu klären, insbesondere auf die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Körpers des eigens produzierten B12. Akutell steht hier der Status, insbesondere auf das vom Dickdarm produzierte B12 auf "nicht möglich."

    Deshalb wird aktuell eine B12 Supplementierung empfohlen, was ich dahingehend vollständig einsehe und unterstütze.

    Eine bereits im Jahr 1980 im Nature veröffentlichte Studie zeigt, das etwa 10 - 40 % der Bevölkerung signifikante Mengen an verwertbarem B12 im Dünndarm direkt produzieren können. Quelle weiter unten.

    Zweitens: Vitamin B12 wird, und dies ist unbestritten, von Bakterien produziert, indem sie Cobalt verwenden, welches in den aller meisten industriell verwendeten Böden kaum vorhanden ist.

    Hinzu kommt, das die hygienischen Maßnahmen, welche gesetzlich vorgeschrieben sind, eventuell vorhandenes B12, welches durch den Produktionsvorgang nur direkt auf der Schale zu finden ist, abgewaschen wird.

    Drastisch formuliert ist vegane B12 Aufnahme aktuell gesetzlich verboten.

    Nähere Infos hier:
    http://www.vitaminb12.de/vegan/

  4. Vielen Dank für deine wertvolle Arbeit!
    Wir bereiten uns schon jetzt darauf vor wie wir unserer Tochter in der Kita die Teilnahme an den Mahlzeiten ermöglichen bzw so unkompliziert wie möglich gestalten können. Bei einem ersten Gespräch bei der Anmeldung wurde doch recht schroff über unser Anliegen drüber gefegt mit Begründung der Orientierung an der DGE. Dieses Schreiben kann uns helfen ein Umdenken zu erreichen. Vielen Dank!

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